Stadt Waldkraiburg lädt türkische Gemeinde zum runden Tisch

Die Sonderkommission „Prager“, die für die Ermittlungen zum Brand eines Ladengeschäftes am Sartrouville Platz gegründet wurde, ermittelt in diesem Zusammenhang auch zu zwei weiteren Taten, bei denen Ladengeschäfte von Inhabern mit türkischer Staatsangehörigkeit bzw. türkischen Wurzeln angegangen wurden. Die Stadt versteht, dass insbesondere bei der türkischen Gemeinschaft, die Unsicherheit nach diesen Vorfällen groß ist. Aus diesem Grund lud Erster Bürgermeister Robert Pötzsch Vertreter der türkischen Gemeinschaft zu einem runden Tisch ein.

Neben Bürgermeister Robert Pötzsch, nahmen am runden Tisch, der am Freitag im Sitzungssaal des Rathauses stattfand, Polizeipräsident Robert Kopp, Kriminaldirektor und Leiter der SOKO „Prager“ Hans-Peter Butz, Leiter der Polizeiinspektion Waldkraiburg Erster Polizeihauptkommissar Georg Deibl, Pressesprecher Polizeihauptkommissar Martin Emig, Leitender Oberstaatsanwalt Georg Freutsmiedl, Leiter des Ordnungsamtes Norbert Meindl und Pressesprecherin der Stadt Stephanie Till an dem Treffen teil. Ahmet Baskent, Tezkan Temel, Suayip Uzon und Nurseda Baskent vertraten die türkische Gemeinde.

Bereits seit dem ersten Tag steht die Stadtverwaltung in engen Kontakt mit den Betroffenen. „Es ist mir wichtig, nach den Brandereignissen das Gespräch zu suchen und zu zeigen, dass wir alles daransetzen, diese Tat mit allen notwendigen und möglichen Mittel aufzuklären“, sagte Bürgermeister Robert Pötzsch zu Beginn. „Die materiellen Schäden seien hoch, können aber zum Glück repariert werden. Viel größer seien die seelischen Wunden und Ängste, nicht nur bei den Betroffenen, sondern auch bei vielen Mitgliedern der türkischen Gemeinde, die man nicht so schnell heilen könne. Viele türkische Mitbürger sind, verständlicherweise, aufgrund der aktuellen Ereignisse verunsichert“, so Pötzsch weiter. Umso wichtiger sei es offen Fragen zu klären und in den Austausch zu gehen. Das bestätigte auch Polizeipräsident Robert Kopp. Neben den Ermittlungsarbeiten und dem Ziel den oder die Täter zu fassen und die Tat aufzuklären, sei es auch wichtig das Sicherheitsgefühl in der Stadt, insbesondere der türkischen Gemeinde, wieder aufzubauen. „Sie können versichert sein, dass wir alles tun, was möglich ist, um Ihnen Sicherheit zu geben“, sagte er. Aus diesem Grund habe die Polizei die Präsenz in der Stadt erhöht. Die Waldkraiburger Polizei werde durch eine Reiterstaffel sowie Streifen – auch in zivil - unterstützt. „Nicht alles, was die Polizei macht, ist auf den ersten Blick sichtbar“, sagte Kopp. Dem stimmte auch der Leiter der Waldkraiburger Polizeiinspektion Georg Deibl zu und machte klar: „Die Polizei hat die Lage im Griff“. Robert Kopp fügte hinzu: „Sie können sicher sein, dass alles getan wird, um das Geschehen schnellstmöglich aufzuklären.“ Dies zeigen auch die Maßnahmen, die getroffen wurden. So ist, wie Kriminaldirektor Hans-Peter Butz ausführte, die SOKO „Prager“ bereits kurze Zeit nach der Tat gegründet worden. Diese ist seit Montag nahezu rund um die Uhr im Einsatz. Über 35 Beamte verschiedener Polizeidienststellen sind inzwischen mit dem Fall betraut. „Wir ermitteln seit Anfang intensiv und tun alles, um das Tatgeschehen aufzuklären“, sagte Butz.

Für große Versunsicherheit bei den Bürgern sorgte auch die Information, dass die Zentralestelle zur Bekämpfung von Extremismus und Terrorismus (ZET) bei der Generalstaatsanwaltschaft München die Sachleitung übernommen hat. Wie leitender Oberstaatsanwalt Georg Freutsmiedl ausführte, sei dies die normale Vorgehensweise, wenn nicht auszuschließen sei, dass die Tat eventuell einen extremistischen Hintergrund haben könnte. „Wir ermitteln weiterhin in alle Richtungen. Es wird sich nicht auf ein Motiv festgelegt. Jedes Tatmotiv, das möglich ist, wird genauestens untersucht“, führte er aus.

In der anschließenden Fragerunde merkte Ahment Baskent vor allem an, dass die türkischen Mitbürger große Angst hätten und sich mehr Sicherheit wünschten. Robert Kopp zeigte Verständnis und wies auf ein Schutzkonzept hin, das erarbeitet wurde und das beispielsweise auch die Moschee beinhalte. Freutsmiedl zu Folge sei es auch möglich, weitere, für die türkische Gemeinde wichtige Orte, in dieses Schutzkonzept zu integrieren. Des Weiteren bot die SOKO an, den Kontakt zu einem Sicherheitsexperten herzustellen. Darüber hinaus wurden bei der SOKO so genannte Betreuer abgestellt, die als feste Ansprechpartner für die Geschädigten dienen. Wie Nurseda Baskent, Vertreterin der türkischen Jugend mitteilte, gäbe es vor allem bei jungen Menschen viele offene Fragen, was die Polizeiarbeit und die Zusammenhänge grundsätzlich angeht. Diese sollen nun in einem so genannten FAQ (Frequently Asked Questions – Häufig gestellt Fragen) beantwortet und veröffentlicht werden. Um das Sicherheitsgefühl noch weiter zu stärken, bot Polizeipräsident Kopp darüber hinaus an, gemeinsam mit dem Bürgermeister, zu einem weiteren Informationsgespräch und -austausch mit Vertretern der türkischen Gemeinde einzuladen, sobald es die Corona-Situation zulässt.

Ahment Baskent, Nurseda Baskent, Tezkan Temel und Suayip Uzon bedankten sich für die offene Runde. „Die Geschichte Waldkraiburgs hat uns vor allem gelehrt, dass wir schon immer Hand in Hand zusammengearbeitet haben“, sagte Bürgermeister Robert Pötzsch und fügte hinzu: „Wir werden auch weiter an einem Strang ziehen.“
Erschienen am:
02.05.2020
um 11:20 Uhr
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