Beschulung von berufsschulpflichtigen Asylbewerbern – Pilotprojekt geht in die nächste Runde

Zum Start des neuen Schuljahres ist wieder der organisatorische Kraftakt gelungen, allen berufsschulpflichtigen Asylbewerbern im Landkreis Mühldorf einen Berufsschulplatz anzubieten. Zum Schuljahresanfang lebten im Landkreis Mühldorf 493 Asylbewerber und Flüchtlinge im Alter zwischen 16 und 21 Jahren. Seit Januar dieses Jahres sind bereits 14 Klassen mit insgesamt 270 Schülern eingerichtet, die von der Berufsschule I und dem Beruflichen Schulzentrum in Kooperation mit dem Berufsbildungswerk Don Bosco in Aschau beschult werden. Zum Schuljahresbeginn im September haben nun weitere 115 junge Flüchtlinge in insgesamt sechs neuen Klassen den Unterricht aufgenommen. Somit stemmen die Schulen im Landkreis nun die Zusatzaufgabe, 20 Klassen mit Schülern unterschiedlicher Herkunft, Sprachkenntnisse und Vorbildung auf das Berufsleben vorzubereiten. Zudem wurde eine weitere Klasse, das so genannte Berufliche Übergangsjahr, gebildet. Dieses Modellprojekt ist eine Kooperation zwischen dem Bayerischen Kultusministerium und der Agentur für Arbeit und wird vor Ort von der Berufsschule I und dem bfz Passau als Kooperationspartner umgesetzt.

Die Organisation wird über das Netzwerk der beteiligten Schulen, die Asylsozialarbeit sowie von Lernen vor Ort im Landratsamt abgewickelt.

Dabei gilt es zunächst, die Sprachkenntnisse der jungen Menschen zu testen und dementsprechend in die Klassen einzuteilen. Zusätzlich muss die Erreichbarkeit der unterschiedlichen Schulstandorte von den Wohnorten der Flüchtlinge gewährleistet werden. Unterrichtet wird nämlich nicht nur in Mühldorf an der Berufsschule I und am Beruflichen Schulzentrum, sondern dezentral im Landkreis, in Ampfing, Waldkraiburg sowie im Berufsbildungswerk in Waldwinkel. Eine Unterbringung aller Flüchtlingsklassen an einem Standort sei gezielt nicht gewünscht, so Max Heimerl, Schulleiter des Beruflichen Schulzentrums in Mühldorf. Eine Integration in das normale Schulleben könne durch die dezentrale Lösung besser gefördert werden.

Die Beschulung der jungen Asylbewerber erfolgt in einem zweijährigen System: Die Vorklasse sowie die Berufsintegrationsklasse. In den Vorklassen, die hauptsächlich den Erwerb der deutschen Sprache zum Ziel haben, wird an fünf Tagen von zertifizierten Lehrkräften Deutsch unterrichtet. Zusätzlich findet ein integrativer Unterricht statt, der beispielsweise Werte, Sozialkunde und das deutsche Rechtssystem vermittelt. Der Schwerpunkt im zweiten Jahr liegt auf der beruflichen Orientierung. Neben drei Tagen Unterricht an der Berufsschule schnuppern die Schüler an zwei Tagen pro Woche in unterschiedlichen Betriebspraktika in die Arbeitswelt und können sich so besser auf einen Berufswunsch festlegen. „Am Ende dieser zweijährigen Beschulung erzielen die Schülerinnen und Schüler einen Abschluss, der dem der Mittelschule gleichgestellt ist. Das große Ziel ist natürlich die Überführung der Asylbewerber in eine duale Berufsausbildung oder eine weiterführende Schule“, so der Leiter der Berufsschule I und Regionalkoordinator für die Beschulung von berufsschulpflichten Asylsuchenden und Flüchtlingen im Landkreis Mühldorf, Wolfgang Gaigl.

Für den Erfolg des Projekts sprechen die Zahlen: 95 % der jungen Flüchtlinge, denen ein Berufsschulplatz angeboten wird, nehmen diesen auch an. Der Übergang von den Vorklassen in das zweite Schuljahr gelang bisher zu 100 %. Von den 42 Flüchtlingen, die die Berufsschule bereits abgeschlossen haben, sind 35 in eine Ausbildung oder Einstiegsqualifizierung gestartet.

Auch Landrat Georg Huber zeigt sich erfreut, dass es mit vereinten Kräften gelungen ist, weitere Klassen einzurichten: „Ich danke allen Beteiligten, die hier so vorbildlich zusammenarbeiten und mit großem Engagement die Beschulung ermöglichen.“ Die Teilhabe an Bildung sei eine wichtige Voraussetzung für die Integration. Die nächste große Herausforderung liegt für die Schulen und Sozialpädagogen im Finden von Praktikumsplätzen für alle Schüler im zweiten Schuljahr. Doch auch hier sind die Verantwortlichen zuversichtlich, dass sie gemeinsam mit den örtlichen Betrieben, der IHK und HWK entsprechende Lösungen finden.

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